Die Gründung der Stiftung

Am 25. März 1920 fand eine Mitgliederver-
sammlung des Reichskleiderlagers N 15 - Kleiderversorgungs-Genossenschaft e.G.m.b.H. statt. Diese 1919 von den sozial engagierten und einfallsreichen Braunschweiger Textilkaufleuten und Schneidermeistern Blume, Briest, Langerfeldt, Lippold, Pape, Sander, Schuchard, Vick, Weihe und weiteren Angehörigen des Bekleidungs-
gewerbes gegründete Genossenschaft hatte bereits mit Ablauf des 2. Geschäftsjahres ein Vermögen von 60.000 Mark angesammelt.

Dieses sollte nun vorbehaltlich der Genehmigung der Regierung in eine offene Stiftung für gemeinnützige Zwecke eingebracht werden, um gezielter eingesetzt zu werden. Die Verwaltung sollte in die Hände einer siebenköpfigen Kommission gelegt werden. Als Ziel der Stiftung wurde die

  Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses
  unserer Berufe

 
formuliert.
Eine entsprechende Stiftungsurkunde wurde einstimmig angenommen und von den Anwesenden unterzeichnet.

 

Diese Urkunde wurde am 31. März 1920 dem Ministerium des Freistaates Braunschweig, Abtlg. des Inneren, eingereicht.
Ein Satzungsvorschlag, welcher ebenfalls von der Mitgliederversammlung genehmigt war, wurde beigefügt und um die Verleihung der Rechte milder Stiftung gebeten.
Bereits am 30. April wurde die "Stiftung Kleiderversorgung" unter der Nr. M II 689 genehmigt. Die Veröffentlichung wurde in der Gesetz- und Verordnungs-Sammlung Nr. 77 vom 12. Mai 1920 gebracht.
Im Jahre 1922 verzeichnet die Stiftung 162 Mitglieder.

Die Stiftungurkunde von 1920



 

Stiftungsurkunde

     In der Zeit der größten Not unseres Vaterlandes, als die Versorgung der Bevölkerung mit Bekleidungsartikeln fast ganz aufgehört hatte und der
Kleinhandel keine Waren mehr anschaffen konnte, wurden die Reichskleiderläger gegründet.
     In dem Dienst dieses groß angelegten Hilfsverkehrs, welcher gleichzeitig den Kleinhandel und der Bevölkerung dienen sollte, stellten sich die maßgebenden Firmen des Landes und brachten ein Stammregister auf, mit welchem eine Genossenschaft gegründet wurde.
Die Mitglieder beschlossen sofort, auf Gewinn zu verzichten und etwaige Überschüsse für gemeinnützige Zwecke und zwar zur Ausbildung des kaufmännischen und gewerblichen Nachwuchses im Kleidergewerbe zur Verfügung zu stellen.
     Schon nach Ablauf des zweiten Geschäftsjahres konnte die Genossenschaft in ihrer Bilanz ein Konto für gemeinnützige Zwecke aufführen und dieses mit 60.000,00 Mark ausstatten.
Vorbehaltlich der Genehmigung unserer höchsten Landesbehörde wollen wir nun eine offene Stiftung für gemeinnützige Zwecke gründen, die sich auf unsere heute rechtsgültig abgeänderten Satzungen, welche hier beigefügt sind, stützt.
     Die Verwaltung dieser Stiftung wird in die Hände einer siebengliedrigen Kommission gelegt, die nach § 33 unsere abgeänderten Satzungen gewählt wird. Als Regierungsbevollmächtigten möchten wir unserem Staatsministerium
     Herrn Regierungsrat Dr. Kiesel
in Vorschlag bringen, der sich hiermit erklärt hat, dieses Amt zu übernehmen, vorbehaltlich der Genehmigung der Staatsregierung.
     Die Verwendung der zur Verfügung stehenden Gelder wird ebenfalls auf Grund unserer Satzung § 33 geregelt und die Herren der
Kommission sind verpflichtet, sich an diese grundlegenden Bestimmungen zu halten.
     Die Kommission wählt einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter.
     Bei Abstimmungen müssen wenigstens fünf Mitglieder anwesend sein und die einfache Mehrheit entscheidet. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden.
     Mögen das Zusammenwirken von Regierungsvertreter mit Herren aus dem Kaufmannsstand und dem Handwerk unsere Ziele, tüchtigen Nachwuchs heranzubilden, fördern zum Gedeihen unserer Berufe und damit zum Wohle unseres Vaterlandes.
     Diese Urkunde ist in dieser heutigen Mitglieder-Versammlung der Reichskleiderlager Nr. 15 Kleiderversorgungsgenossenschaft e.G.m.b.H. einstimmig angenommen und von den Anwesenden unterzeichnet.
     Braunschweig, den 25.März 1920

Die Geschichte bis heute

Das Werk der Gründer wurde in den folgenden Jahren unter Leitung eines Vorsitzenden und Geschäftsführers von einem siebenköpfigen Vorstand fortgeführt. Vorsitzende des Vorstandes und Geschäftsführer der "Stiftung Kleiderversorgung" waren die Kaufleute Carl Lippold (1920-1934), Hans Sander (1934-1944), Hermann Witting (1944-1973), Hans Obermann (1973-1987), Hans Hubbes (1987-2007), Hans-Peter Mohr (2007-2017) und Benno Marschke (seit August 2017).

Der ursprüngliche Stiftungszweck, die durch den Ersten Weltkrieg und seine Folgen verursachten Versorgungsmängel der Bevölkerung im Hinblick auf Bekleidung zu lindern, ist mittlerweile längst überholt. Geblieben sind zeitgemäße humanitäre Aufgaben. Deshalb hat die "Stiftung Kleiderversorgung" ihren Stiftungszweck den gegenwärtigen Verhältnissen angepasst. Nach wie vor findet das Wirken der Stiftung im öffentlichen Leben, in der Braunschweiger Wirtschaft sowie innerhalb der Öffentlichen Wohlfahrt großes Interesse und ehrliche Anerkennung.

Viele Bildungsmaßnahmen für den Braunschweiger Einzelhandel und das Braunschweiger Handwerk wurden mit der Unterstützung der "Stiftung Kleiderversorgung" durchgeführt.

Die "Stiftung Kleiderversorgung" wirtschaftet sehr erfolgreich, so dass allein im Jahr 2016 finanzielle Zuwendungen (an Braunschweiger Projekte) in Höhe von 230.000,00 EUR vergeben werden können.


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